FRIEDRUN REINHOLD

Zum Sterben Schön


Friedrun Reinhold, Jahrgang 1962, wuchs in der Schweiz und Schleswig-Holstein auf. 

Ende der 1980er machte er sich als freier Fotograf in Hamburg selbständig und kam

während seiner Arbeit für das Schleswig-Holstein Musik Festival schnell mit den Großen der klassischen Musik in Kontakt. 

Begegnungen mit außergewöhnlichen Persönlichkeiten prägen sein Berufsleben seither: Ob Schauspieler oder Musiker, ob Wissenschaftler, Unternehmer oder Politiker - es ist der Mensch, der ihn als Sujet reizt und dem sein besonderer Blick gilt. Neben seiner Arbeit für Unternehmen, Agenturen und

Verlage beschäftigt sich Reinhold vor allem mit dem Porträt.

Seine Werke wurden und werden in zahlreichen Ausstellungen präsentiert. Der international vielfach ausgezeichnete Fotograf gibt Workshops und Masterclasses, schreibt Fachbücher, ist Autor für Zeitschriften und hat seit 2008 einen Lehrauftrag in Karlsruhe.

 




Vor über 30 Jahren war ich als junger Fotograf immer wieder mit dem Tod konfrontiert.

Dieses Thema war einige Jahre ein stetiger und unmittelbarer Begleiter meines Alltags.

Der Tod des Vaters, von guten Freunden und Verluste im beruflichen Umfeld waren relativ häufig und nah.

Neben meiner kommerziellen Arbeit habe ich mich in freien und persönlichen Arbeiten 

mit meinen Befindlichkeiten, Gefühlen und Gedanken beschäftigt.

Es lag also auf der Hand, eine Serie mit dem Tod im Mittelpunkt zu beginnen.

Ich entschied mich für einen roten Mantel mit Kapuze und eine roten Sense als zentrale visuelle Elemente.

Mein Arbeitstitel war: Der Tod ist überall.

Im laufe von rund 5 Jahren habe ich unzählige dieser Fotos gemacht. 

Der rote Mantel und die Sense fuhren immer im Auto mit.

Und dann kam das Gefühl, diese Serie ist fertig. 

Ich ließ sie liegen und wollte mich in einigen Jahren wieder eingehender damit beschäftigen.

Mein abwechslungsreicher Alltag und meine Neugier liessen diese Bilder aus meinem Fokus verschwinden und als ich viele Jahre später in meinen Keller ging, um etwas zu suchen, stellte ich fest, dass die allermeisten meiner Negative und Prints, einem Wasserschaden zum Opfer gefallen sind. Nach einigen Versuchen, doch noch etwas zu retten, gab ich mich geschlagen und bestellte einen großen Container, den ich mit dem verschimmelten Inhalt meines Kellers füllte.

Ich schluckte mehr als ein mal.

Fast alle Fotos, die ich in rund 20 Jahren vor allem für mich fotografiert hatte, waren weg.

 

Doch dieses Thema mit dem roten Mantel ließ mir keine Ruhe. 

Also ließ ich mir wieder einen Mantel anfertigen, lackierte eine Sense rot und legte los.

Schon nach den ersten Fotos merkte ich, dass etwas fehlte. 

Die Bilder kamen mir zu nüchtern und gleichzeitig zu distanziert vor.

Das ursprüngliche Konzept, den Tod an spektakulären Orten als Statue zu inszenieren, funktionierte nicht mehr.

Ich war irritiert.

Mein Verhältnis zum Leben und damit auch zum Tod, hat sich grundlegend geändert.

Das stellte ich erstaunt beim Betrachten der neuen Fotos fest. 

Diese konkrete und plakative Art, den Tod zu zeigen, passt nicht mehr in meine Leben.

Dennoch wollte ich endlich diese Serie und das Thema für mich abschließen.

Ich begann mit Unschärfen zu experimentieren.

Der rote Mantel ohne Sense und nur als Hauch im Bild zu sehen…

Ein roter Schatten am Rande des Bildes…

Rote abstrakte Gebilde irgendwo im Bild…

Jetzt wurde die Serie in meinen Augen wieder rund. 

In der Kombination mit konkreteren und sichtbareren Sense und Mantelbildern entstand so eine lebendige und abwechslungsreiche Serie in meiner Stadt Hamburg. Und die Orte, an denen ich fotografierte, sind mir alle schon seit vielen Jahren bekannt und hören teilweise zu Lieblingsplätzen.

Gerne möchte ich beim Betrachter eine eigene Auseinandersetzung mit unserer Endlichkeit anregen. 

Sterben ist tödlich, darüber reflektieren nicht.


Friedrun Reinhold Fotografie

Eppendorfer Weg 85

20259 Hamburg

040-402526

www.friedrun-reinhold.com